hgb In Sachsen ist eine Rechtsaußen-Partei an die Macht gekommen, die drastische Kürzungen im kulturellen Bereich vorgenommen hat. Auch die Hochschule für Grafik und Buchkunst bleibt davon nicht verschont und muss Strategien finden, mit der neuen Regierung und dem gekürzten Budget umzugehen. In dieser aufgeladenen Atmosphäre findet die Verleihung des Studienpreises der HGB statt, bei dem der beste oder die beste Künstlerin gekürt werden soll.

Diamantis, der sich mehr als Aktivist denn als Künstler begreift, war für ein Projekt einige Zeit in Indien. Mit seiner Rückkehr stolpert er, nicht nur in die ungelösten Probleme seiner plötzlich für beendet erklärten Beziehung zu Daphne, sondern entdeckt auch eine Verschwörung um den Studienpreis.

Daphne, die sehr reiche Eltern hat, hat durch die Abwesenheit von Diamantis festgestellt, wie viel besser es ihr geht, ohne die ständigen Belehrungen von ihm. Da sie kurz vor dem Diplom steht, versucht sie selbstbewusst herauszufinden, was die Zukunft für sie bereithält.

Dabei wird Daphne immer wieder mit dem Seelenzustand ihres WG-Mitbewohners Hegmendon konfrontiert, der in einer tiefen Sinnkrise steckt. Die Selbstzweifel zermürben Hegmendon und lassen ihn zunehmend an dem Sinn der Kunst zweifeln. Aber anscheinend gibt es Kräfte innerhalb der HGB, die Großes mit Hegmendon vorhaben.

Ophelia, die sich als eigenes Start Up versteht, möchte sich mit den neuen Verhältnissen arrangieren, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Dabei stellt sie bald fest, dass sich auch ihre Kunst den Verhältnissen anpassen muss, damit sie eine realistische Chance auf den Sieg des Studienpreises hat.

hgb „Wir befinden uns zweifellos in einem Kulturkampf“, sagt der kulturpolitische Sprecher der AfD, Marc Jongen, im Bundestag, der selbst an der Kunsthochschule in Karlsruhe unterrichtet hat. Damit bestätigt er, was rechte Parteien in Polen und Ungarn schon vorgelebt haben: Die Kultur gerät immer mehr unter politischen Druck. Kulturelle Selbstvergewisserung nennt das die AfD und meint Kunst und Kultur, die zu positiver Identifikation mit Deutschland anregt.

Das Setting der Webserie ist eine Kunsthochschule in Leipzig. Ein Ort voller Energie, Ideenreichtum, Aufgeschlossenheit, Ehrgeiz und Talent. Leipzig besitzt mittlerweile eine große Anziehungskraft. Leipzig ist plötzlich cool und die Kunsthochschule für Grafik und Buchkunst ist mittendrin.

Vor der Landtagswahl 2019 in Sachsen hatte die AfD allerdings realistische Chancen, die stärkste Kraft im Freistaat zu werden. Es gibt also die stete Bedrohung, dass sich die politischen Verhältnisse umkehren und damit zumindest ein Stück weit auch die Lebensverhältnisse. Auch an der Kunsthochschule gibt es Schattenseiten. Es besteht eine große Konkurrenz unter den Studierenden, es kommt zu Machtmissbrauch und Intrigen innerhalb der Kunstszene. Es herrscht eine große Diskrepanz zwischen Moneyjob und künstlerischer Tätigkeit. Viele der Kunststudenten leben prekär zwischen Kohleöfen und öden Jobs. Die Kunstszene dreht sich um sich selber, mit Positionen, die geografisch, ökonomisch und kritisch von den Zirkulationen des Kunstmarktes distanziert, jedoch diskursiv und psychologisch in ihrer Dynamik eingebettet sind.

Diese gesellschaftlichen und auch hochschulpolitischen Entwicklungen und Diskurse werden in der Webserie In Art We Trust aufgegriffen und problematisiert. Zusätzlich zu der Webserie gibt es eine Publikation mit dem Titel „Text und Kontext“. Die Publikation ist eine kommentierte Ausgabe des Drehbuchs. Mit Hilfe von Querverweisen, Quellen und weiterführender Literatur entsteht so eine Kontextualisierung des Projekts.

Unter dem Titel In Art We Trust haben wir fünf 15-20 minütige Folgen gedreht, die sich inhaltlich mit den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens innerhalb der Kunstwelt, mit kulturpolitischen Veränderungen und Machtmissbrauch auseinandersetzen. Viele von uns sind selbst Studierende bzw. ehemalige Studierende an Kunsthochschulen.


Darsteller*innen
Lola Fuchs als Daphne
Rocco Hauff als Professor
Sarah Hostettler als Direktorin
Lumi Lausas als Ophelia
Louit Lippstreu als Diamantis
Christoph Müller als Werkstattleiter
Jaschar Markazi Noubar als Hegmendon


Benedict Reinhold Idee, Drehbuch, Casting, Regie, Kamera, Schnitt
Irma Blumstock Produktion, Casting, Szenenbild, Dramaturgische Beratung, Schnitt
Jacob Neuffer Dramaturgische Beratung, Co-Regie
Marie-Carmen Kreutzfeldt Hair&Makeup
Jin Kwon Kostümbild
Lola Giewerzew Kostümassistenz
Christoph Giesemann Ton
Enrico Grunert Mischung
Amelie Befeld & Zeno Gries 2. Kamera


Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch die Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

Unterstützt durch das Filmbüro NW, Professionalisierungsförderung.

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